Die Wiederentdeckung des Spaßes

Wie bringt man seine Mitarbeiter dazu, kreativer, effektiver, besser zu arbeiten? Mit der richtigen Unternehmenskultur! Und wie sieht die aus? Die Liste der Schlagwörter notwendiger Bedingungen ist so lang wie richtig: Ehrlichkeit, Vertrauen, Autonomie, Sicherheit, Kooperation, Fehlerfreundlichkeit, Work-Life-Balance, Partizipation, eine geteilte Vision, Kommunikation, etc. – Dem einfachsten und gleichzeitig wichtigsten Faktor wird aber nur selten ein eigener Bullet-Point eingeräumt: dem Spaß.

Arbeit sollte Spaß machen. Mein langgehegter Verdacht hat sich nach diesem flammenden  Plädoyer “A manifesto for play, for Bulgaria and beyond” von Steve Keil endgültig bestätigt. Das Video ist sehr empfehlenswert  (die ersten 5 min lernt man ein bißchen etwas über Bulgarien – aber dann geht’s los…) – denn es weckt die Erinnerungen daran, was Spaß ist. Denn hier ist weder der „Spaß“ gemeint, den wir im Business behaupten zu haben, wenn wir z. B. „es schaffen, besonders schwierige Kunden zufriedenzustellen“, noch der Spaß, der sich in einem facebook-stream anklicken lässt. Es meint echten Spaß, der uns spontan, kreativ und selbstvergessen sein lässt.

Steve Keil zeigt, dass Spaß viel mehr Produktivität freisetzen kann als jede Ernsthaftigkeit. Weil Spaß unsere Kreativität und Offenheit fördert; die Fähigkeit fördert, Informationen aufzunehmen; uns einen Sinn und Zweck für unser Handeln gibt; uns ein Gefühl der „mastery“ gibt (Übersetzung: Beherrschung, Überlegenheit, Können; das psychologische Konzept dazu ist wohl jenes der Selbstwirksamkeit); kurz: unsere Produktivität steigert. Und darum lohnt sich Spaßhaben für alle.

Das meint auch Aaron Dignan, der in „Game Frame“ zeigt, wie Spiele auch in Unternehmen produktiv genutzt werden, indem sie den Spaß zurückbringen.  „The Future of Work is Play“, meint er im Interview. Als kritische Faktoren führt Dignan neben dem Spaß auch die klaren Regeln sowie das gemeinsame Ziel an. Und auch in der Beziehung zum Kunden sollte der Spaß nicht unterschätzt werden, wie David Armano in diesem Artikel in der Harvard Business Review meint. Er setzt auf die spielerische Komponenten von „Social Currencies“, die z. B. in foursquare oder Badgeville zur Anwendung kommen.

Volkswagen hat schon vor einiger Zeit in seiner funtheory-Kampagne gezeigt, wie ein bisschen Spiel und Spass ganz ernsthafte Tasks zum Vergnügen machen können – und in Summe alle einem übergeordneten, größeren Ziel näher bringen. Spiel und Spaß sind keine Konsum-Handlungen – sie erfordern Interaktion, Involvement und Engagement. Das macht solche Strategien so effektiv und nachhaltig. Also – los geht’s: Spaß haben!