Erfolgsprinzip Resilienz: Es lebe die Krise!

„The end is near.“ – Im letzten Jahrhundert stand die Welt mehrfach vor dem Abgrund. Aber trotz Weltwirtschaftskrisen, zweier Weltkriegen, mehrerer Atomkatastrophen und massiver Naturkatastrophen steht die Welt insgesamt in Sachen Wohlstand und Wachstum besser da als vor hundert Jahren.

Denn die Katastrophe ist glücklicherweise kein neues Phänomen. Die Menschheit hat sich in den vergangenen Zehntausend Jahren sehr widerstandsfähig gezeigt. Klar gab es Rückschläge und eine Handvoll untergegangene Hochkulturen – aber alles in allem hat sich das Modell „Mensch“ als sehr erfolgreich und hochentwickelt herausgestellt. Der Mensch hat es immer geschafft, sich nach Katastrophen wieder aufzurappeln, weiterzumachen und sich für die nächste Katastrophe besser zu wappnen. Der Mensch hat sich als sehr resilientes Wesen erwiesen.

Krise = Gefahr + Chance

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, ein System trotz Störungen und Irritationen aufrecht zu erhalten. Das gelingt, weil auf jede Störung mit einer Anpassung reagiert wird. So werden Systeme über die Zeit immer stärker ohne ihre ursprüngliche Identität zu verlieren. Wer resilient denkt, denkt die Katastrophe stets mit. Es geht nicht darum, Katastrophen zu vermeiden oder abzuwehren. Es geht darum, sie zu antizipieren und an ihnen zu wachsen – anstatt an ihnen zu zerbrechen. Im Konzept der Resilienz ist jede Krise tatsächlich eine Chance bzw. die Voraussetzung für weiteres Wachstum. Und das ist kein wohlmeinender Psycho-Ratschlag. Das sind Fakten auf denen unser gesamtes Ökosystem basiert.

Das Prinzip der Resilienz kommt aus der Ökologie – funktioniert aber auf jeder Ebene. Wälder werden alt, die Böden ausgelaugt. Waldbrände machen Platz und bereiten den Boden für frisches, starkes Grün. Menschen können an Lebenskrisen zerbrechen – oder an ihnen wachsen, wenn sie aus ihnen lernen oder die positiven Aspekte daraus für sich nutzen können. In den letzten Jahrzehnt geriet zunehmend auch der Kapitalismus in die Krise – und gewinnt daraus die Chance sich aus sich selbst heraus zu erneuern und auf einem höheren Level zu neuer Blüte zu gelangen, wie dies Michael T. Porter antizipiert.

Jedem Ende wohnt ein Zauber inne

Jeder Aufbauphase folgt eine Zerstörungsphase. In jeder Zerstörungsphase werden Energien frei, die für den nächsten Aufbau genutzt werden können. Jeder Aufbau hat zum Ziel, besser zu sein als der vorige. Das System verbessert sich nach jeder Zerstörung. Ein Zyklus aus Wachstum, Reife, Krise und Neubeginn entsteht.

Auch für Unternehmen gilt es Resilienz zu beweisen: Die Kraft zu haben, auf Krisen nicht mit Abwehr, sondern mit Anpassung durch Innovation zu reagieren. Voraussetzung, an Krisen wachsen zu können, sind gemeinsame Werte. Diese Werte sind das, was das System, das es durch Resilienz zu erhalten gilt, ausmacht. Sie geben das Ziel vor, das es zu erreichen gilt. Wer sich dieser Werte nicht bewusst ist, hat es schwer damit, sich neu zu erfinden. Das machen derzeit die klassischen Massenmedien vor und auch deren Journalisten, die sich von Blogger- und Bürgerjournalismus bedroht sehen. Gleichzeitig etablieren sich neue Produkte wie z. B. besonders hochwertige Magazine oder Produkte für kleine Zielgruppen.

Krisenfest zu sein hat nichts mit Starrheit zu tun. Im Gegenteil, Kontinuität wird durch Flexibilität erreicht. Wer resilient ist, kann sich auf die nächste Krise freuen.