Hans Roth/Saubermacher: „Unsere Werte erleichtern unsere Interaktionen mit Kunden und Lieferanten.“

Im Gespräch mit www.werteindex.de spricht Hans Roth, CEO der Saubermacher AG, über die gelebte Praxis anhand von Ethik-Leitlinien in seinem Unternehmen, einem Entsorgungsdienstleister. Er erläutert, wie es zu diesen Leitlinien kam, wie sie gelebt werden und warum es sich bezahlt macht, Werte zu bekennen.

Was waren die Beweggründe für die Erstellung von Ethik-Leitlinien?

Ethik in der Wirtschaftswelt beschäftigt mich schon seit jeher. Ohne Werte gibt es keinen Zusammenhalt, keine Richtlinien und damit keine Orientierung. Weder für den einzelnen Menschen noch für Unternehmen.  Als wir noch ein kleines, regional agierendes Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern waren, war die Notwendigkeit eines eigenen Druckwerkes noch nicht erforderlich. Wir haben uns alle häufig persönlich gesehen, die Wertvorstellungen meiner Familie und unser Zugang zu Menschen allgemein bekannt. Mit dem zunehmenden Wachstum und der regionalen Ausdehnung schwindet natürlich auch die Möglichkeit des zeitnahen persönlichen Kontakts zusehends und so war es mir ein Anliegen, unsere seit jeher bestehenden Werke in einer kleinen Fibel zusammen zu fassen. Unterstützt hat uns dabei mein persönlicher Freund, Univ. Prof. Dr. Leopold Neuhold mit dem wir die Saubermacher Lebenswerte entwickelt haben. Sie sind die Basis für unser Miteinander im Unternehmen aber auch mit allen anderen Stakeholdern.

Wie sind diese Leitlinien entstanden? Wer war involviert?

In der Erstfassung 2007 war es eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen mir, Univ. Prof. Dr. Leopold Neuhold und meinem langjährigen Wegbegleiter Heribert Schurz. In der erweiterten, neuen  Version haben wir die Thematik auf eine viel breitere Basis gestellt, viel mehr Mitarbeiter eingebunden und nun auch eine Ethikkommission gegründet, die sich Gedanken macht, wie unsere Grundwerte von allen Mitarbeitern gelebt werden können und vor Ort für Fragen und Anregungen zur Verfügung steht.

Welche Veränderungen bewirkten diese Leitlinien in Ihrem Unternehmen?

Indem wir den MitarbeiterInnen etwas Niedergeschriebenes in die Hand geben können, geben wir einerseits den Werten per se mehr Bedeutung – verpflichten uns aber von Seiten der Unternehmensleitung her nachhaltig auf die Einhaltung der Werte zu schauen. Der Ethik Kodex wirkt damit in zwei Richtungen und das Druckwerk stellt überdies hinaus sicher, dass wir nicht vergessen wofür wir immer gestanden sind – auch wenn ich mich langsam aus dem operativen Geschäft zurückziehe.

Wie reagierten Ihre Mitarbeiter auf die Leitlinien? Wie Ihre Kunden und Kooperationspartner?

Ich bin der Überzeugung, dass uns unsere Werte, auch wenn sie erstmals 2007 niedergeschrieben wurden, Basis für die Wertschätzung sind, die man uns seit vielen Jahren entgegenbringt. Wir betrachten uns als Teil der Gesellschaft, wir bekommen viel von der Gesellschaft und es ist nur natürlich, dass wir wiederum Vieles zurückgeben. In den vielen Nominierungen,  Preisen und Auszeichnungen, vielfach aus dem Bereich CSR wie z.B. dem Trigos, dem Knewledge Staatspreis oder aktuell dem SEA sehe ich eine Bestätigung, dass unser Weg positiv aufgenommen wird und unser Zugang des gemeinsamen Wirtschaftens ein Innovativer ist.

In Ihren Leitlinien sprechen Sie von Ihrem Bestreben, „den Wirtschaftsprozess zu einem Kulturprozess [zu] machen“, in dem alle Betroffenen zu Beteiligten gemacht werden. Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Grundsätzlich trägt jeder Einzelne zum Gelingen eines Gesamtprojekts bei. Mir geht es darum alle Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette einzubinden. Und diese beginnt schon bei unseren Lieferanten, in dem diese Produkte zur Verfügung stellen, die in Einklang mit unseren Werten stehen. So verpflichten wir uns beispielsweise in unserer Klimaschutzcharta dazu, geplante Investitionen auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit zu prüfen. Z.B. setzen wir ab Juni den ersten Hybrid LKW in der Abfallwirtschaft ein. Damit schonen wir nicht nur die Umwelt sondern minimieren die Lärmbelästigung, ein wesentlicher Krankmacher unserer Zeit. Der LKW alleine ist es aber nicht. Wesentlich ist nun, dass der Fahrer die Hybridtechnik so nutzt, dass die Vorteile für die Gesellschaft erhalten bleiben – hier greifen unsere Werte intern, verpflichten wir uns doch dazu „menschen- und umweltgerecht zu wirtschaften“. Und so nehme ich alle Beteiligten in die Pflicht, in ihrem Verantwortungsbereich dafür Sorge zu tragen, dass unsere Werte in ihre täglichen Entscheidungen einfließen.

In welchen Bereichen fällt die Umsetzung höherer moralischer Standards besonders schwer?

Zum Beispiel wenn es um Investitionen geht. Unser Einkauf ist bemüht, wirtschaftliche Lösungen zu erzielen. Oftmals ist aber die günstigste Lösung aber keine nachhaltige Lösung – auf der anderen Seite spüren wir aber auch den Druck von Seiten der Kunden, die für das investierte Geld eine optimale Leistung erwarten. Ich verwehre mich dagegen, wenn man nur vom Preis spricht. Man muss immer auch die Leistung dagegenhalten und die Nachhaltigkeit der Leistung beurteilen. Über unsere Klimaschutzcharta haben wir jedoch auch hier die Vorgabe, sämtliche Anschaffungen nicht nur nach monetären Gesichtspunkten zu beurteilen.

Warum können Sie die Einführung solcher Leitlinien anderen Unternehmen empfehlen?

Alle Stakeholder wissen, wofür man steht, wer man ist und mit wem man gegebenenfalls an einem Tisch sitzt. Mir ist es wichtig, dass wir als Teil der Gesellschaft gesehen werden, als Partner, der für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft einsteht. Mit den „Lebenswerten“ zeigen wir, was uns wichtig ist und was wir im Umgang miteinander beachten wollen. D.h. man macht es seinen Kunden und Lieferanten einfacher zu interagieren, sie wissen, wen sie vor sich haben und können das geschriebene Wort mit dem Gesprochenen vergleichen. Wichtig ist dabei, dass es keine aufgesetzten Geschichten sind und alle Beteiligten hinter den Leitlinien stehen können. Diese bieten auch Orientierung für neue Mitarbeiter, die noch nicht so genau wissen, wie das Unternehmen funktioniert und Bewerber, die so leicht feststellen können, ob das Unternehmen zu ihren eigenen Vorstellungen passt.

Zur Person:

Nach absolvierter Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Kaufhaus in Passail trat Hans Roth, geboren am 02. Oktober 1946, als ältestes von 5 Geschwistern in das elterliche Unternehmen ein und forcierte bereits in jungen Jahren den Aufbau der Roth Handels- und Bauhandwerks GmbH, der Interro Handels GmbH sowie Roth Heizöle GmbH.

1979 folgte – gemeinsam mit seiner Ehefrau Margret Roth und anfangs 3 Mitarbeitern – die Gründung der Firma „Saubermacher“, der er bis 2011 als CEO vorstand. Mit Anfang 2012 folgte der Wechsel in den  Aufsichtsrat als Vorsitzender dieses Organs. Unter Hans Roth hat sich Saubermacher zu einem der führenden Unternehmen im Bereich der Abfallentsorgung und –verwertung entwickelt und betreut derzeit mit 3.400 Mitarbeiten in Österreich und Zentraleuropa rund 1600 Gemeinden sowie über 40.000 Kunden aus Handel, Gewerbe und Industrie. Das Kerngebiet umfasst die Bundesländer Steiermark, Kärnten, Niederösterreich und Wien mit ca. 40 Joint-Ventures im Inland und ca. 40 Auslands-Joint-Ventures in Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Tschechien.

Hans Roth erhielt im Laufe seiner Unternehmertätigkeit viele Auszeichnungen wie z.B. die Ehrung zum Umweltmanager im Jahr 1999, zum Unternehmer des Jahres 2001, sowie die Verleihung des Titels „Kommerzialrat“ im Jahr 2002 für seine Verdienste um die steirische Wirtschaft. Als Obmann der Fachgruppe für Abfall- und Abwasserwirtschaft der Wirtschaftskammer Steiermark engagierte sich Hans Roth während seiner 10-jährigen Funktionsperiode bis 2009 sowie als Mitinitiator bei Gründung des VOEB (Verband der Österreichischen Entsorgungsbetriebe) über das eigene Unternehmen hinaus für die Entwicklung der Abfallwirtschaft in Österreich und wirkte und wirkt bei vielen Richtung weisenden Entscheidungen als Meinungsbildner und Berater mit.

Privat begleitet Hans Roth gemeinsam mit seiner Familie viele soziale und künstlerische Projekte. Entspannt wird bei einem Lauf- oder Radausflug, einem gutem Buch oder auf Reisen.