Hochkonjunktur für Glücksindikatoren

Viele Wissenschaftler (und auch andere Menschen) hegen schon länger einen Verdacht, der seit der Finanzkrise ziemlich salonfähig geworden ist. Das Wohlergehen eines Landes, einer Gesellschaft soll doch bitte nicht ausschließlich über das Brutto-Inlandsprodukt gemessen werden. Denn entscheidende Faktoren des Wohlergehens unserer Gesellschaft – wie Umwelt, Gesundheit, Lebensqualität – bleiben in diesem Konzept völlig unberücksichtigt. Es müssen also andere Indikatoren her. Und das erkennt jetzt zunehmend auch die Politik.

Frankreich machte vor 2 Jahren einen vielbeachteten Anfang und setzte eine Kommission unter prominenter Beteiligung (u. a. Joseph Stiglitz und Amartya Sen) zur Konzeption eines solchen neuen Instruments ein.  Kanada hat bereits einen solchen Index. Großbritannien versprach Ende letzten Jahres nachzuziehen. Seit Beginn dieses Jahres hat auch Deutschland ein offizielles Gremium, eine solche Meßgröße zu finden. Die Enquete trägt den vielversprechenden Titel „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft”.

Es scheint so, als wäre Europa auf dem besten Weg, das Wohlergehen seiner Mitgliedsstaaten besser und ganzheitlicher zu erfassen. Auf alle Fälle ist es ein notwendiger Schritt,  um auch die Politik angemessener gestalten zu können – indem sie sich nicht an ausschließlich an der wirtschaftlichen Produktivität, sondern am Wohlbefinden der Menschen mißt.

Übrigens – zu diesem Thema gab es im Hamburger Körber Forum eine Podiumsdiskussion, die auch hier oder als Podcast (Körber Forum: Ökonomie und Glück; 10. Februar 2011) nachzuhören ist.