Ist Resilienz die neue Nachhaltigkeit?

Die Grenzen des Wachstum sind schon längst erreicht. Unsere Welt hat eine Komplexität erreicht, die sie Störungen gegenüber extrem anfällig macht. Die Finanzkrise zeigte es eindrücklich. Alleine das letzte Jahr wartete mit Öl-Katastrophen, Erdbeben, Tsunamis und einem atomaren Super-GAU auf – und wir wissen, die nächste Katastrophe kommt bestimmt.

Die Katastrophe kommt

Dass unser Öko-System mittlerweile an bzw. über die 1972 postulierten „Grenzen des Wachstums“ gelangt ist, ist unbestritten. Dennis Meadows, einer der damaligen Ko-Autoren, ist der Überzeugung, dass die katastrophalen Auswirkungen mittlerweile auch unausweichlich geworden sind. Daher gilt es, einen Perspektivwechsel von der Nachhaltigkeit zur Resilienz vorzunehmen, wie im Bericht über die Krisenfestigkeit aller deutschen Kreise und kreisfreien Städte des Pestel-Institut steht.

Der Osten leuchtet grün und krisenfest. - Abbildung aus "Regionale Krisenfestigkeit", Bericht des Pestel Instituts (www.pestel-institut.de)

Resilienz entscheidet über Zukunftsfähigkeit

Resilienz ist die entscheidende Fähigkeit angesichts einer hochkomplexen und riskanten Welt und Zukunft. Gleichzeitig wird die „Fitness“ von Staaten, Regionen und Unternehmen immer noch primär in monetären Wohlstands- und Wachstumsindikatoren gemessen. Und das, obwohl wir wissen, dass in Krisen nicht Reichtum, sondern mentale, soziale und emotionale Stärke und Anpassungsfähigkeit entscheidend sind. Diesem Tatbestand bemühen sich bereits teilweise alternative Maßzahlen für den Wohlstand Rechnung zu tragen – weil z. B. soziale Beziehungen ungleich wichtiger für das Wohlbefinden des Einzelnen und das Funktionieren einer Gemeinschaft als Geld (wie auch Juliet Michaelson von den National Accounts of Well-Being erklärt).

Überraschende Resilienz-Sieger

Das Pestel-Institut hat deutschlandweit untersucht, wie resilient (=krisenfest) die einzelnen Regionen sind. 18 Indikatoren der Resilienz wurden berücksichtigt, wie z. B. Bildung, ärztliche Versorgung, Flexibilität und Mobilität der Bewohner, soziale Gleichheit, Naturflächen, landwirtschaftlich genutzte Flächen und die Kapazitäten nicht-fossiler Energieträger. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches Deutschland-Bild: Der ansonsten gerne abgehängte und „rote“ Osten, erstrahlt im krisenfesten Grün. Hingegen erweisen sich manche Regionen im wirtschaftsstarken Westen als „(sehr) krisenanfällig“.

Das Fazit der Studie: „Insgesamt zeigt die Studie, dass nicht unbedingt internationale Wettbewerbsfähigkeit Sicherheit für die Zukunft signalisiert. Gerade in der öffentlichen Diskussion eher vernachlässigte Bereiche bieten Schutz vor den Auswirkungen von Krisen. Dezentrale Energieerzeugung, soziale Stabilität, Verfügbarkeit von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und Arbeitsplätze vor Ort helfen bei der regionalen Abfederung weit mehr.

Für Regional- und Stadtentwicklung ergeben sich neue Prioritäten. Das war auch Thema als das Trendbüro zum „Stadtspiel“ lud. Die Stadt als entscheidender Lebensraum in der Zukunft steht ebenfalls vor der Herausforderung sich ständig neu zu erfinden. Aber auch für Unternehmen ergibt sich ein Shift. Denn Nachhaltigkeit bedeutet heute Resilienz; nachhaltig zu sein heißt, krisenfest zu sein. Es wird spannend, aktuelle CSR-Initiativen durch die Brille der Resilienz zu beobachten.