Machen Unternehmen die bessere Politik?

Die Deutschen vertrauen nicht mehr ihren Politikern. Vom entstehenden Vertrauensvakuum können Unternehmen  profitieren.

Anfang des Jahres wurde die diesjährige Edition des Edelman Trust Barometer publiziert. „Trust is now an essential line of business“, lautet das knappe Fazit der Studie. Vertrauen als essentielle Geschäftsgrundlage. So weit, nicht ganz so überraschend. Spannend wird der Blick in die Detail-Ergebnisse, wenn es darum geht, wie die Reputation eines Unternehmen zustande kommt.

Hier rangieren zuvorderst die Faktoren Qualität, Transparenz/Ehrlichkeit und Vertrauen. Diese Faktoren werden weit wichtiger eingeschätzt als Innovationsfähigkeit, regelmäßige Kommunikation, faire Preise oder explizites „Good Corporate Citizenship“.

Die Erwartungen an Unternehmen, in die Interessen der Gesellschaft zu investieren ohne Rücksicht auf den Shareholder value, sind hoch. In der Hälfte der Länder erwarten mind. 80% der Befragten ein solches Engagement. Deutschland weist mit 91% den höchsten Wert auf. Gleichzeitig fällt Deutschland aber mit einem weiteren Spitzenwert auf. Bei der Frage, woher der Impuls für dieses Engagement kommen soll – vom Unternehmen selbst oder durch ein Gesetz -  erwartet sich die Hälfte der Befragten, dass das Unternehmen von sich aus in die Gesellschaft investiert. Die andere Hälfte spricht sich für staatliche Regulationen aus. Dieses Verhältnis fällt in allen anderen Ländern anders aus (Ausnahme: UAE): Dort denkt die Mehrheit, dass der Staat die Standards vorgeben soll.

Gemeinsam mit ersten Ergebnissen einer repräsentativen Befragung des Trendbüros (im Rahmen einer Trendstudie zum ethischen Konsum und Verbrauchervertrauen für die Otto Group, die im September 2011 erscheint), die einen deutlichen Rückgang in das Vertrauen in die Politik belegen, lässt das folgenden Schluss zu: Der Politik wird das Vertrauen entzogen, die richtigen Entscheidungen für unsere Gesellschaft zu treffen. Gleichzeitig steigt das Vertrauen in nicht-staatliche Institutionen. Das Vertrauensvakuum, das die Politik hinterlässt können NGOs, aber auch Unternehmen für sich nutzen. Denn wenn die Politik schon nichts voranbringt, beruhigt es den Konsumenten zu wissen, dass es Unternehmen gibt, die um das Wohl der Gesellschaft besorgt sind. (Und die sollen mal machen – und sich eher nicht vom Staat reinreden lassen.)

Wie das funktioniert, erfahren angesichts des Super-GAUs in Japan die Ökostromanbieter, deren Kundenzahlen seit März kräftig anstiegen. Die Konsumenten warten nicht mehr auf den Atom-Ausstieg der Regierung. Man steigt einfach schon mal selbst aus – mit Hilfe der richtigen Angebote von Unternehmen und NGOs.