Warum Werte (nicht) gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit sind.

Wenn die Begriffe „Werte“ und „Unternehmen“ in einem Atemzug genannt werden, dann sind meistens die „Ethik“ und die „Nachhaltigkeit“ auch nicht weit. Dabei ist der Schluss, dass Unternehmen mit „Werten“ besonders „gut“ oder moralisch überlegen sein müssen, so kurz wie falsch. Wenn Unternehmen sich für Werte entscheiden, müssen sie nicht automatisch besonders umweltbewusst oder menschenfreundlich agieren. Es heißt zunächst nicht vielmehr, dass sie sich darüber Gedanken gemacht haben, wofür sie stehen, was sie für gut befinden bzw. was für sie für ein gutes Leben und eine gute Gesellschaft dazugehört.

Klar finden sich dazu schnell die allgemein akzeptierte Antworten: Niemand wird behaupten, dass ein rücksichtsloser Raubbau an Umwelt und Mensch, zu seiner Vorstellung einer guten Welt dazu gehört. Der zentralste wie universellste Unternehmenswert bleibt aber immer noch die Gewinnorientierung, dem ureigenen Zweck einer Unternehmung. Denn ohne Gewinn lässt sich kein Unternehmen am Leben erhalten – und mit dem Unternehmen stirbt auch die Chance auf die Verwirklichung der anderen Wertvorstellungen.

Deshalb gehört auch die „Nachhaltigkeit“ zu den nicht verhandelbaren Unternehmenswerten – und zwar, weil damit die ökonomische Nachhaltigkeit des unternehmerischen Handelns gemeint ist. So wie es auch das Hernstein Management Institut in seinem aktuellen Magazin zum Thema „Nachhaltigkeit – Management mit Werten oder Wertemanagement “ versteht. Eine nachhaltige Unternehmensführung ist vor allem dem langfristigen Erhalt des Unternehmens gewidmet – dazu gilt es die richtigen Mittel zu finden. Der richtige Umgang mit Werten wird in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg. Denn: „[...] wirtschaftlichen Wert wird zukünftig nur noch haben, was auch einen Wert für die Gesellschaft hat.“ Gewinnmaximierung auf Kosten gesellschaftlicher oder natürlicher Werte funktioniert nur kurzfristig. Irgendwann sind die Ressourcen aufgebraucht, die Kunden abgezockt und die Mitarbeiter ausgebrannt. Und – so heißt es dort weiter: Nachhaltige Strategien haben die Gewinnmaximierung nicht zum Ziel. Sie wird zum Resultat einer guten Unternehmensführung.

„Glaubwürdige Werteorientierung heißt nicht, ein besonders moralisches Unternehmen zu schaffen. Vielmehr geht es um die nachhaltige Existenzsicherung des Unternehmens.“, fasst es Christian Burger, Senior Vice President bei der Booz & Company GmbH  in den zehn kompakten Grundregeln zum Management mit Werten (ebenfalls im zitierten Magazin) zusammen. Und liefert auch empirische Belegen für die Effektivität des richtigen Wertemanagement: Einer Studie der Harvard Business School zufolge, konnten Unternehmen mit einer starken Wertekultur in einem elfjährigen Zeitraum ein viermal höhere Umsatzwachstum verbuchen. Es gilt also, sich die zehnte Grundregel zu Herzen zu nehmen: „Der geeignete Zeitpunkt, ein pragmatisches Wertesystem aufzubauen, ist jetzt.“