Was die Kaffeemaschine über Ihre Unternehmenswerte aussagt.

Papier ist geduldig. Das gilt auch für die werte-basierte Unternehmensführung. Die leichteste und häufigste „Werte-Arbeit“ erschöpft sich darin, Werte niederzuschreiben. Schwieriger und damit auch seltener ist es, Werte als Führungskraft im Unternehmen vorzuleben. Diesen Verdacht bestätigt nun eine Studie des Hernstein Instituts, für die deutsche, Schweizer und österreichische Führungskräft befragt wurden.

In Zahlen ausgedrückt heißt dies: In 42% der Unternehmen werden Werte durch Verschriftlichung in einem Führungsleitbild kommuniziert. Hingegen sehen nur 27% der befragten Führungskräfte, dass sie durch ihr eigenes Handeln Werte weitervermitteln können. Schwierige Entscheidungen auf Basis wichtiger Unternehmenswerte werden von lediglich 13% der Führungskräfte gefällt. Und auch bei der Mitarbeiterauswahl und -bindung berücksichtigen nur 12% die Unternehmenswerte als Faktor.

Gelebte Unternehmenswerte beginnen und enden bei der einzelnen Führungskraft, bei jedem Mitarbeiter. Niemand anderer kann die „Werte-Arbeit“ erledigen. Gleichzeitig wird jeder Einzelne von uns eine Situation kennen, in denen er im Unternehmen etwas aus dem eigenen Werte-Empfinden anders gemacht hat als er es – unter den gegebenen Unternehmensbedingungen – tatsächlich getan hätte. Wirtschaftliche Zwänge oder Gewinnorientierung geben oft ganz selbstverständlich den Handlungsrahmen vor, ohne dass viel darüber nachgedacht wird: Getan wird, was am günstigsten ist. Das gilt insbesondere in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Das gilt aber vor allem auch, weil bei Mitarbeitern und Führungskräften kein Werte-Gerüst präsent ist, das andere Handlungsalternativen näher legt.

Ein sehr banales, aber anschauliches Beispiel ist die Wahl von Kaffeemaschine und Kaffee im Büro. Da gibt es die Bandbreite von „Jeder-nimmt-sich-seinen-Löskaffee-selber-mit“ bis zur Espresso-Maschine inklusive Nespresso-Tabs und Milchschäumer.

Was kommuniziert die Minimal-Version? „Wenn unsere Mitarbeiter schon Kaffee-Trinken, dann wollen wir dafür zumindest kein Geld ausgeben.“ – Kaffee-Trinken wird negativ mit Nicht-Arbeiten = Faulenzen verbunden. Und die günstigste Version ist die Selber-Mitnehm-Variante natürlich auch. Wer Kaffee-Trinken aber mit Regeneration = produktivere Mitarbeiter sowie mit sozialem Austausch = bessere Kooperationsfähigkeit und bessere Ideen gleichsetzt, kann die Ausgaben dafür sehr leicht argumentieren. Von der Vermittlung der Wertschätzung der Mitarbeiter ganz abgesehen. Um solche Entscheidungen treffen zu können, braucht es ein explizites Werte-Gerüst. Ansonsten kommt man schnell in einen Erklärungsnotstand.

Das heißt aber nicht,  dass man sich vom Fokus der Gewinnmaximierung verabschieden müsste. Allerdings tut ein Perspektiven-Wechsel not: Gewinnmaximierung ist nicht das  Ziel werteorientierten Managements, sondern das Resultat. Oder anders: Wer in immaterielle Werte investiert, wird materielle Werte ernten.