Zum Gut-Sein verpflichtet – funktioniert das?

Wer hierzulande seinen Müll nicht trennt, verweist gerne auf die viel größere Verantwortung zur Rettung der Welt in den aufstrebenden Schwellenländern wie China. Tatsächlich räumen die zwei am schnellsten wachsenden Volkswirtschaftn China und Indie dem Konzept der Nachhaltigkeit bereits einen prominenteren Stellenwert ein. China setzt seinen Fokus auf ökologische Maßnahmen. Indien auf soziale Ziele, wie der Reduzierung der Unterschiede zwischen Arm und Reich. (vgl. auch Kartajaya 2011)

Indien prescht nun weiter vor und diskutiert verpflichtende CSR-Maßnahmen für Unternehmen (siehe hier). So sollen Unternehmen ab einer bestimmten Größe 2% ihrer jährlichen Gewinne in CSR-Maßnahmen investieren. Ebenso ist ein verpflichtendes CSR-Reporting vorgesehen.

Der Widerstand in der indischen Wirtschaft formiert sich bereits. Kritische Stimmen (wie diese hier) befürchten eher negative denn positive Auswirkungen: eine höhere Tendenz zu Green-Washing und Pseudo-Maßnahmen sowie die Wahrnehmung von CSR-Maßnahmen als notwendiges Übel zum Business as Usual. Damit würde von der Notwendigkeit bzw. Chance zu ganzheitlichen Veränderungen zu nachhaltigen Geschäftsmodellen abgelenkt.

Können Werte per Gesetz verschrieben werden? Philip Kotler meint in seinem aktuellen Buch „Marketing 3.0“, dass Werte Teil der DNA eines Unternehmens und integrativer Bestandteil der Unternehmenskultur sein müssen, um effektiv gelebt zu werden. Ein Gesetz scheint da ein schlechter Basis-Impuls zu sein. Gleichzeitig erleben wir hierzulande eine ähnliche Diskussion in Bezug auf die verpflichtende Frauenquote in deutschen Führungsetagen. Auch konservative Vertreter finden diese mittlerweile wert, sie auszuprobieren. Die Praxis der Quote in Norwegen zeigt schließlich, dass es funktioniert. Frauen in der Führungsetage prägen die Unternehmenskultur und irgendwann auch die DNA eines Unternehmens.

Egal, ob gesetzlich vorgeschrieben oder selbstverpflichtet – beide Beispiele zeigen die Notwendigkeit, Unternehmenswerte bewusst zu gestalten, damit sie gelebt und kommuniziert werden können.